Gefällt dir DAS SARS?

Dann gefällt es dir auch auf Facebook.

2016/03/04

Die Terminatorin

Wenn man keine Familie und keine Bekannten hat, denen man im Notfall zur Last fallen möchte, dann sitzt man ihr irgendwann gegenüber - der blutbefleckten Schwester des Todes mit Namen Patientenverfügung. Sie ist dazu da, im Falle der plötzlichen oder schleichenden Verschlechterung meines Gesundheitszustandes zu regeln, was mit meinen bald sterbenden Überresten geschehen soll. Sie ist zwar nur ein Formular. Und dennoch fühle ich mich in ihrer Gegenwart wie eine plattgequetschte Steinzeitmücke unter dem Mikroskop. Persönliche Daten? Hab ich. Hausarzt? Da fängt’s doch schon an schwierig zu werden. Bei dem war ich seit sechs Jahren nicht mehr. Soll er wirklich darüber informiert werden, wenn mir nach einem Unfall die Därme aus dem Unterleib quellen? Sofern er dann noch lebt – ist ja nicht mehr der Jüngste. Mal die nächsten Fragen beantworten. Bei diesem einen Kreuz, das bestätigt, dass ich auf die Bevollmächtigung einer vertretungsberechtigten Person verzichte, fange ich doch leicht an zu schwitzen. Will ich wirklich, dass im Notfall nicht ein vertrauter Mensch, sondern dieses ausgefüllte Formular über meinen Gedeih oder Verderb entscheidet? Muss wohl so sein, sonst würde ich jetzt nicht hier sitzen. Dann folgt eine grosse leere Fläche, die ich mit meinen Wertvorstellungen, meinen Gedanken über Lebensqualität, das Altern in Würde und meine Einstellung zum Tod füllen soll. Was soll ich schon vom Tod halten? Was muss, das muss. Ich kann ja schlecht schreiben „bin dagegen“. Oder wie wär’s mit „lasst mich abkratzen und ich werde euch heimsuchen“? Eigentlich ganz lustig. Das liest das Schweizerische Rote Kreuz wohl eher selten. Grundsätzlich weiss ich nicht, was ich vom Siechentum und Dahinvegetieren halten soll. Aber da ich keine Verantwortung für andere Menschen trage, kann man meinen Stöpsel beizeiten ziehen. Eigentlich. Nächste Frage? Reanimation und lebenserhaltende Massnahmen. Ouuuu ja, jetzt wird’s technisch. Robocop und so. Da gibt’s quasi nur ja und nein zur Auswahl. Und viel Platz für Bemerkungen, Ausschlüsse und Einschränkungen. Was soll reanimiert oder künstlich am Leben erhalten werden – wie bei guten und wie bei schlechten Heilungschancen? Hm. Chance scheint mir in diesem Fall nicht das richtige Wort zu sein. Aber ich spalte wieder mal Haare. Und ohne die kann man ja eigentlich ganz gut leben. Unterschr...wie jetzt? Eigentlich wäre ich jetzt bereits fertig mit dem Ausfüllen? Da kommt noch ein fakultativer Anhang. Man darf sich noch aussuchen, welcher Art der Medikation man zustimmen würde. Künstliche Ernährung und Beatmung – ja oder nein, kurz oder lang. Ich könnte sogar meine Wünsche nach Seelsorge und Begleitung anbringen. Fast schon sympathisch. Man darf wählen, was im Falle einer Organspende auf Hannibal Lecters Speisekarte stehen soll. Die Pankreas, etwas von meiner Haut, einen halben Meter Dünndarm und zwei Mal Augenhornhaut. Natürlich nicht – wer bin ich denn?!? Ich darf allerdings für nach meinem Tod eine Autopsie anordnen. Erscheint mir passend, schliesslich bin ich Konsumentin der gleichnamigen TV-Serie – hauptsächlich wegen der Stimme von Dana Scully. Aber ich schweife ab. Und warum schweife ich ab? Weil ich noch nicht bereit bin. Ich bin nicht bereit, mit meiner Unterschrift zu bestätigen, dass ich die AGB des Todes gelesen habe. Ich bin nicht bereit, meinen letzten Willen in eine Datenbank zu speisen. Wenn ich nicht mehr bei Sinnen sein sollte, ist mir doch eh egal, wie lang das weisse Licht am Ende des Tunnels auf sich warten lässt. Liebe Patientenverfügung, ich werde dich morgen nicht anrufen und ich weiss nicht, ob wir uns wiedersehen werden.

2016/02/25

Männer sind Müll

Natürlich entspricht das nicht meiner Meinung. Aber für die nachfolgenden Ausführungen hat dieser Titel durchaus seine Berechtigung.
Ich bin immer wieder Frauen begegnet, die nach Trennungen der gesamten männlichen Erdbevölkerung den Rücken kehren wollten. "Ich habe genug von Männern" und "mir soll bloss keiner mehr ankommen" habe ich oft gehört, aber nie verstanden. Man kann doch nicht alle über einen Kamm scheren und in den gleichen Topf werfen. Oder man kann bestenfalls alle Beatles über einen Topf scheren - aber das ist ein anderes Thema. Pauschale Abwendung und Verallgemeinerung schien mir in diesem Fall nie angebracht. Mittlerweile weiss ich, was diesen Frauen passiert ist. Sie sind einem DIESER Männer begegnet. Einem dieser Männer, die ihr eigenes nahezu unmenschliches Verhalten als natürlich männliches Verhalten darstellen. Jede dieser Frauen hatte sich auf einen Mann eingelassen, der ihre Prinzipien verletzte und ihr nicht nur vermittelte, dass sie gar keine hätte, sondern auch dass sie ausserstande wäre, mit Männlichkeit und ihren logischen Folgen umzugehen. Den Frauen wurde eingeredet, dass sie mit ihrem weiblichen Wesen, ihrer Denkweise oder gar ihrem Intellekt nicht fähig wären, sich mit irgendeinem Mann dauerhaft zu verstehen oder sich an dessen Seite wohl zu fühlen. Logische Konsequenz: Die Frauen ziehen sich zurück, weil sie nach der Vielzahl ergebnisloser Diskussionen sogar glauben, das mit ihnen etwas Grundlegendes nicht stimmt. Sie gelangen zur Überzeugung, dass Männer ganz einfach nichts für sie sind, weil sie nicht mit ihnen umgehen können. Sie werden biestig, ablehnend, unzufrieden und zumindest zeitweise tatsächlich unfähig, sich auf Kontakt mit Männern einzulassen. Weil sie bei jedem Wortwechsel immer noch das sprichwörtliche Messer zwischen den Rippen spüren, das ein Mann ohne Rückgrat dort hineingebohrt hatte, um von seinem Wesen abzulenken.
Liebe Männer, überlegt euch bitte zwei Mal, ob es jemals angebracht ist, euer Verhalten mit Testosteron zu begründen.

2016/01/28

Das geht den Hühnern auf die Eier

Liebe Hetero-Männer, ich muss euch dringend etwas über eure Frauen erzählen. Ich muss euch einfach verraten, was sie von euch brauchen, ohne dass sie darum bitten würden. Ist euch mal aufgefallen, dass sich eure Frauen unheimlich anstrengen, um etwas zu erreichen? Genau wie ihr. Sie machen Weiterbildung und Karriere. Genau wie ihr. Sie haben Bankkonten, Kreditkarten, eigene Wohnungen und dicke Autos. Genau wie ihr. Sie haben Sixpacks in Muskeln oder Bier. Genau wie ihr. Sie organisieren, koordinieren, stehen für Dinge gerade und müssen auch mal eine Niederlage hinnehmen ohne in Tränen auszubrechen. Genau wie ihr. Viele von ihnen kümmern sich auch noch um die Betreuung und Erziehung der Kinder oder bauen ihr eigenes Business nebenbei auf, um ihre Zukunft zu sichern. Sie kümmern sich um das Wohl ihrer Männer und Kinder. Sie kommen gesellschaftlichen Verpflichtungen nach, stärken den Zusammenhalt in Familie und Freundeskreis, haben ihren eigenen Werkzeugkoffer und tragen den Müll selber runter. Und da wundert ihr euch tatsächlich, dass die süsse schüchterne Frau von damals auf einmal Eier hat? Sie tut im Moment mehr um zu leben und zu überleben, als ihr vom aktuellen Stand der Evolution zugedacht wäre. Deshalb, liebe Männer – wenn ihr euch das sanfte Wesen eurer Frau zurückwünscht, dann gebt ihr Raum und Zeit dafür. Schreibt ihr am Mittag mal, dass sie am Morgen mit ihrem zerzausten Haar zum Knuddeln aussah. Das bringt sie dazu, wie ein Mädchen zu kichern. Nehmt sie in den Arm, wenn ihr merkt, dass sie den ganzen Tag über stark sein musste. So kann sie ihre schützende Rüstung ablegen und sich trotz ihrer Verletzlichkeit sicher fühlen. Bleibt bei ihr, wenn sie weinen muss. Dann wird ihr klar, dass sie nicht alles alleine schaffen muss. Führt sie zum Essen und zum Tanzen aus. Das ist ihre Bühne, für die sie sich gern mal wieder hübsch anzieht und wo das verführerische Lächeln auf ihr Gesicht zurückkehrt. Gebt euren Frauen die Möglichkeit, nicht immer stark, verbissen und kämpferisch sein zu müssen. Lasst sie anschmiegsam, sanft und einfach nur schön sein. Vielen modernen Frauen fehlt etwas, ohne dass sie wissen, was es ist. Ihr könnt es ihnen geben. Es ist ihre Weiblichkeit.