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2016/01/28
Das geht den Hühnern auf die Eier
Liebe Hetero-Männer, ich muss euch dringend etwas über eure Frauen erzählen. Ich muss euch einfach verraten, was sie von euch brauchen, ohne dass sie darum bitten würden. Ist euch mal aufgefallen, dass sich eure Frauen unheimlich anstrengen, um etwas zu erreichen? Genau wie ihr. Sie machen Weiterbildung und Karriere. Genau wie ihr. Sie haben Bankkonten, Kreditkarten, eigene Wohnungen und dicke Autos. Genau wie ihr. Sie haben Sixpacks in Muskeln oder Bier. Genau wie ihr. Sie organisieren, koordinieren, stehen für Dinge gerade und müssen auch mal eine Niederlage hinnehmen ohne in Tränen auszubrechen. Genau wie ihr. Viele von ihnen kümmern sich auch noch um die Betreuung und Erziehung der Kinder oder bauen ihr eigenes Business nebenbei auf, um ihre Zukunft zu sichern. Sie kümmern sich um das Wohl ihrer Männer und Kinder. Sie kommen gesellschaftlichen Verpflichtungen nach, stärken den Zusammenhalt in Familie und Freundeskreis, haben ihren eigenen Werkzeugkoffer und tragen den Müll selber runter. Und da wundert ihr euch tatsächlich, dass die süsse schüchterne Frau von damals auf einmal Eier hat? Sie tut im Moment mehr um zu leben und zu überleben, als ihr vom aktuellen Stand der Evolution zugedacht wäre. Deshalb, liebe Männer – wenn ihr euch das sanfte Wesen eurer Frau zurückwünscht, dann gebt ihr Raum und Zeit dafür. Schreibt ihr am Mittag mal, dass sie am Morgen mit ihrem zerzausten Haar zum Knuddeln aussah. Das bringt sie dazu, wie ein Mädchen zu kichern. Nehmt sie in den Arm, wenn ihr merkt, dass sie den ganzen Tag über stark sein musste. So kann sie ihre schützende Rüstung ablegen und sich trotz ihrer Verletzlichkeit sicher fühlen. Bleibt bei ihr, wenn sie weinen muss. Dann wird ihr klar, dass sie nicht alles alleine schaffen muss. Führt sie zum Essen und zum Tanzen aus. Das ist ihre Bühne, für die sie sich gern mal wieder hübsch anzieht und wo das verführerische Lächeln auf ihr Gesicht zurückkehrt. Gebt euren Frauen die Möglichkeit, nicht immer stark, verbissen und kämpferisch sein zu müssen. Lasst sie anschmiegsam, sanft und einfach nur schön sein. Vielen modernen Frauen fehlt etwas, ohne dass sie wissen, was es ist. Ihr könnt es ihnen geben. Es ist ihre Weiblichkeit.
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2014/09/17
Findet uns das Glück?
Findet uns das Glück, oder müssen wir es suchen? Trifft es uns unverhofft wie der Dartpfeil eines Betrunkenen, oder ereilt es uns Stück für Stück? Kann man Glück haben oder glücklich sein, wenn die eigenen Wünsche unerfüllt bleiben?
Wünsche und Träume von Menschen mitte dreissig sind erschreckend banal. Praktisch alle von ihnen wünschen sich ein Eigenheim an einem schönen Ort - auch die, die den Glauben an tiefe Empfindungen schon komplett begraben haben. Die etwas optimistischeren unter ihnen würden als Zugabe zum Häuschen gerne die grosse Liebe finden oder behalten. Wer kaum mehr schlafen kann, weil das Ticken der biologischen Uhr lauter ist als eine Strassenparade, der wünscht sich Kinder - fast schon egal mit wem. Grosse Karrierewünsche werden seltener genannt - schliesslich müsste man jetzt schon etwas vorzuweisen haben. Gesundheit wünschen sich nur diejenigen, die schon mit ernsthafter Krankheit in Berührung gekommen sind. Wer sonst keine Ziele hat, hat immerhin Reiseziele. Das war's dann aber auch schon mit den Wünschen, die einem dieses Alter förmlich aufzwingt. Weil man in dieser Lebensphase merkt, wie schnell einem die Zeit davon läuft, beginnt man, sich seinen Wünschen anzunähern - mit den Mitteln, die einem gerade zur Verfügung stehen. Sobald man mit diesem unbeholfenen Hinterherstolpern begonnen hat, führt kein Weg mehr zurück, weil es zu viele Mitwisser gibt. Auch ich habe schon oft mitgewusst und nachgefragt, mich nach dem Stand der Dinge erkundigt, genickt und ermutigt. Aber - ganz ehrlich - ich habe noch niemanden getroffen, der bei der Materialisierung seines Glücks auch wirklich glücklich war. Das ist noch nicht - das wird dann schon. Wenn das Kind dann endlich da ist und sich der strapazierte Körper wieder erholen kann. Wenn dann der tadellose Traummann nach einer weiteren einsamen und durchweinten Nacht am Sonntagmorgen an der Tür klingelt. Wenn der untergetauchte Bauunternehmer mit dem ganzen bereits investierten Geld wieder da ist. Es gibt so viel unschönes auf dem Weg in eine vermeintlich schöne Zukunft, dass man als ungeübter Betrachter glatt glauben könnte, die Menschen machen sich damit unglücklich. Ich habe nie jemanden sagen hören "Wow, dieser 18-Stunden-Flug ins Urlaubsparadies hat mir riesigen Spass gemacht" oder "Wie hab ich mich gern mit dem Elektriker um die Steckdosen gestritten". Was lernen wir daraus? Wenn es um das Erfüllen von Wünschen und das Erreichen von Glück geht, kann der Weg unmöglich das Ziel sein.
2013/07/25
Heiteres Karriere-Raten
In unserer Zeit gehört es zum guten Ton, beruflich ambitioniert oder zumindest flexibel zu sein. Kaum ein Mensch wird noch in dem Beruf alt, den er mal gelernt hat. Häufiger Stellenwechsel erscheint mittlerweile weder merk- noch fragwürdig. Eher gilt er als Zeichen eines gesunden Drangs nach Selbstverwirklichung. Früher wurden flatterhafte Lebensläufe kritisch betrachtet. Heute ist der ein Sonderling, der lange Zeit einer einzigen Tätigkeit bei einem einzigen Arbeitgeber nachgeht. Stetes Streben nach einer Karriere – und mag sie auch noch so ungewiss sein – zeichnet den modernen Arbeitnehmer aus und zeigt seine Offenheit für Neues. Und sei es nur für eine neue Office-Version. Wer sich heute knapp nach der ominösen Dreissig schon in seinem Job wohl fühlt, ist die grosse Ausnahme. Es fühlt sich seltsam an, sich in einem entwicklungsfreudigen Umfeld Gleichaltriger positiv zu seiner Beruflichen Situation zu äussern. Man erntet ungläubige Blicke und niemand will so recht damit einverstanden sein, dass dies vielleicht schon alles gewesen sein könnte. Aus Mitleid oder eigener Verunsicherung nimmt das Gespräch den folgenden weiteren Verlauf. Aber du machst doch bestimmt noch eine Weiterbildung? Nein. Du kannst dir deine Arbeit selber einteilen? Nein. Du verdienst unanständig viel Geld? Nein. Du hast Untergebene, auf denen du rumhacken kannst? Nein. Du kannst dein Wissen weitergeben? Nein. Bestimmt hast du tolle Aufstiegschancen? Nein. Und dir wird so wirklich nicht langweilig? Nein. Wünschst du dir nie etwas anderes? Nein. Aber du nimmst doch mit Sicherheit mal die Hintertür aus dem Berufsleben und lässt dir ein Kind machen? Nein. Leere und ratlose Gesichter. Hat jemand mitgezählt, wie viel Geld schon in meinem Schweinderl ist?
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