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2011/03/29

Kammerflimmern

Wann ist man ein Paar?
Als wir in jungen Jahren erste amouröse Gefühle entwickelten, gipfelten diese oft in Ja/Nein/Vielleicht-Zettelbotschaften. Ich schätze, dass „vielleicht“ bereits damals die bevorzugte Antwort war. Sie lässt gerade genug Spielraum, um nicht zu verletzen und trotzdem eine Tür offen. Man könnte denken, dass mit dem Erwachsenwerden der Umgang mit dem „Vielleicht“ einfacher und vernünftiger würde. Aber so ist es nicht. Nach mehreren gescheiterten Beziehungen kann man zum Trugschluss kommen, es wäre einfacher, nicht Teil eines Paares zu sein. In Wahrheit ist es ein hartes Stück Arbeit, kein Paar zu sein. Man wägt sehr genau ab, um nicht zu viele Gefühle in eine Sache zu investieren, deren Kurs man nicht kennt. Anzusprechen was einem wichtig ist, könnte verheerende Auswirkungen haben. Schliesslich weiss man nie, wie sehr das Gegenüber an einem „Vielleicht“ hängt, ein „Ja“ verabscheut oder gar zu einem „Nein“ tendiert. Kurz und gut – von unbeschwertem Miteinander kann keine Rede sein. Schliesslich vermutet man zu jeder Zeit ein Ungleichgewicht, bei dem man selbst als Zweiter dastehen würde. Man verstaut also die emotionale Zeitbombe in der hintersten Herzkammer und hofft, dass man der Einzige bleiben wird, der ihr Ticken hören kann.

Jede Veränderung in Richtung Verbindlichkeit geht mit der Verpflichtung einher, etwas anderes zu sein als man bis anhin war. Und das, obwohl man bisher möglicherweise bereits war, was man nur nicht so benannte.
Was passiert also, wenn ein monatelanges „Vielleicht“ zu einem plötzlichen „Ja“ wird? Zählen dann von jetzt auf gleich andere Werte, andere Ziele und andere Regeln als bis anhin? Überschätzt man die Auswirkungen dieser Neuerung sogar und setzt sich unter einen unnötigen Druck? Oder würde man sich für die Dauer einer möglichen Beziehung als Trostpreis fühlen?

2011/02/18

Hand drauf

Hände sagen mehr als tausend Worte. Selbst wenn man der Gebärdensprache nicht mächtig ist. Ein Winken, ein Abwinken, ein Händeschütteln, ein Zurückstossen, ein Schulterklopfen, ein Anstupsen, ein Streicheln. All diese Gesten sind deutliche Signale, die wir mehr oder weniger bewusst aussenden. Mit unseren Händen, denen wir oft so wenig Beachtung schenken und die als simple Alltagsinstrumente in den Hintergrund treten.
Mit den wenigsten Menschen halten wir Händchen. Im Kindesalter nehmen uns unsere Eltern an die Hand, bringen uns stehen und laufen bei und geben uns Sicherheit. Irgendwann wollen wir das nicht mehr, lösen uns und wehren uns gar gegen eine Hand, die uns führen möchte. Bald lassen wir nur noch Menschen, die wir gerne mögen, in die Reichweite unserer Hände. Das Partizipieren an Warteschlangen, ausverkauften Veranstaltungen oder Fahrten in überfüllten Bussen bildet meist unliebsame Ausnahmen. Doch dann gibt es einige Menschen, denen wir noch näher kommen. Insbesondere mit unseren Händen. All den Berührungen, die man mit den Händen auszutauschen imstande ist, ist eine ganz Besondere übergeordnet. Die wohl intimste Berührung von allen: jemanden an die Hand nehmen.
Jemanden an die Hand zu nehmen, spricht ganze Bände.
Komm mit mir. Ich bin an deiner Seite. Lass uns gemeinsam weitergehen. Ich zeige dir den Weg. Verlass dich auf mich. Alle dürfen mich mit dir sehen. Ich stehe zu dir.

Von jemandem bewusst nicht an die Hand genommen zu werden, obwohl man ihm sonst so nahe ist wie keinem anderen, spricht keine Bände, sondern ganze Dramen.

2010/11/28

Der A-Faktor oder der Erfolg der Bad Boys

Heute erlaube ich mir Schimpfwörter. Ich würde nämlich gern die Variable „A“ als Arschloch ausformulieren. Damit meine ich nicht die Körperöffnung, sondern die despektierliche Bezeichnung für einen unliebsamen Menschen männlicher Natur. Wir alle kennen sowohl diese Art von Männern, wie auch ihr gegenteiliges Pendant. Die meisten von euch männlichen Wesen versuchen mir glaubhaft zu vermitteln, eine gesunde Mischung aus beidem zu sein. Persönliche Erfahrungen zeigen das Gegenteil und darum bin ich so frei, einmal mehr zu polarisieren. Es gibt nämlich jene, die aus ihren wenig rühmlichen Wesenszügen ein Konstrukt bilden, das trotz aller Emanzipation eine grosse Anziehung auf Frauen ausübt. So können eine übersteigerte Ich-Bezogenheit, gepaart mit einem Hang zur Promiskuität und allenfalls sogar einem wenig attraktiven Äusseren mehr Erfolg beim weiblichen Geschlecht bewirken, als die Bereitschaft zu Monogamie und Gleichberechtigung mit einem Zuckerguss aus Verständnis und einem hübschen Gesicht.
Meine Damen – Hand aufs Herz. In neun von zehn Fällen würden wir den egozentrischen triebhaften Rüpel dem sanften intellektuellen Feingeist vorziehen. Warum ist das so? Liegt diesem Umstand tatsächlich einmal mehr die Evolution zugrunde? Wir suchen uns - unbewusst im Hinblick auf die Fortpflanzung - die Starken aus, die mit blossen Händen eine Antilope erlegen, weil sie einen potenten Eindruck, Sicherheit und Unerschrockenheit vermitteln. Wer die Probleme analytisch löst und seiner Beute eine ausgeklügelte Falle stellt, in die sie ohne weitere Gewalteinwirkung unweigerlich binnen weniger Tage tappen wird, der wird in der Regel vom Fortpflanzungsprozedere ausgeschlossen. Zu unspektakulär wirkt ihre Vorgehensweise, zu zartbesaitet ihr Gemüt. Ausserdem bevorzugen wir noch immer Männer, zu denen wir aufschauen können und die ihre Angelegenheiten mit einer gesunden Portion Testosteron regeln. Auch wenn uns Umfragen namhafter Frauenzeitschriften das Gegenteil beweisen wollen: die so genannten Arschlöcher dominieren heute – auch ohne ledernen Lendenschurz - nach wie vor den Partnerschaftsmarkt. Frauen, die sich trotzdem gegen den heroischen Archetypen und für einen Mann von der netten Sorte entscheiden, werden sich früher oder später fragen, ob sie nicht etwas verpasst haben. Ein wohlgemeinter Rat an die netten Kerle unter meinen Lesern: seid ab und zu mal böse, wenn ihr beim anderen Geschlecht Erfolg haben möchtet!